Älter werden in der Tanzvermittlung – Wie bleibt das Feuer lebendig?

Neulich in der Kita: Der Bewegungsraum ist vorbereitet. Ich warte auf die Krippenkinder. Zwei Kitakinder, die mich nicht kennen, lugen durch die offenstehende Tür. Das eine zum anderen: „Was macht die Oma denn da?“
Tja. Die Oma. Zweifellos: Ich bin inzwischen im Alter ihrer Omas. Und graue Haare sind für Kinder offenbar ein ziemlich zuverlässiges Altersmessgerät. Aber die Bemerkung hat bei mir etwas angestoßen: Was bedeutet es eigentlich, älter zu werden als Tanzvermittlerin? Gibt es ein „zu alt“ für diesen Beruf? Was macht ein älter werdender Körper mit unserer Arbeit? Und irgendwann vielleicht auch: Wann ist der richtige Zeitpunkt aufzuhören – oder etwas ganz anders zu machen?
Älter werden verändert uns. Unser Körper verändert sich, unsere Energie verteilt sich anders und auch unser Blick auf den Beruf wandelt sich. Vielleicht geht es irgendwann weniger darum, alles selbst mitzumachen, immer beweglich, schnell und voller Power zu sein. Dafür kommen andere Dinge dazu: Erfahrung, Gelassenheit, Klarheit – und ein immer feineres Gespür für die Menschen, mit denen wir arbeiten.
Irgendwann fragen wir uns vielleicht: Muss ich eigentlich noch alles machen, was ich früher gemacht habe? Wo sage ich aus echter Überzeugung Ja – und wo nur, weil ich es schon immer so gemacht habe? Und überhaupt: Was bedeutet es, über viele Jahre hinweg Kinder für Tanz zu begeistern?
Die Frage „Wie möchte ich weitermachen?“ begleitet uns vermutlich nicht nur einmal. Sie taucht immer wieder auf – in unterschiedlichen Lebensphasen und mit ganz unterschiedlichen Antworten. Das Schöne an unserem Beruf: Wir haben oft die Freiheit, unseren Jahresplan, unsere Kurse und Projekte selbst mitzugestalten. Wir können entscheiden, was wir annehmen, was wir reduzieren und was wir vielleicht auch einmal loslassen. Das ist ein Geschenk. Und manchmal ganz schön schwierig. Denn es ist nicht immer leicht zu erkennen, ob wir etwas wirklich noch wollen – oder ob wir es einfach gewohnt sind, es zu tun. Vielleicht lautet die entscheidende Frage deshalb irgendwann nicht mehr: „Was kann ich noch alles machen?“ Sondern: „Was möchte ich mit Freude, Energie und Überzeugung machen?“
Unser Körper hilft uns dabei übrigens manchmal ziemlich deutlich bei der Antwort. Regeneration wird wichtiger, Grenzen werden spürbarer und vielleicht unterrichten wir nicht mehr jede Stunde mit derselben körperlichen Intensität wie früher. Aber muss das ein Verlust sein? Vielleicht nicht. Denn Erfahrung kann vieles auffangen, was früher über Kraft gelöst wurde. Ein Blick, eine Frage, eine kleine Veränderung in der Anleitung – manchmal braucht es gar nicht mehr. Und mit den Jahren wächst vielleicht auch das Vertrauen in die eigene Arbeit. Wir beobachten genauer, reagieren gelassener und wissen besser, wann wir eingreifen müssen – und wann es klüger ist, einfach Raum zu lassen. Vielleicht verändert sich damit auch unsere Rolle. Wir müssen nicht mehr immer die sein, die alles vormacht. Vielleicht werden wir zunehmend Begleiterin, Mentorin, Impulsgeberin oder Konzeptentwicklerin. Wir können unsere Erfahrung teilen und Räume schaffen, in denen Kinder und jüngere Kolleginnen ihren eigenen Weg finden. Natürlich gibt es auch die andere Seite. Routine kann wunderbar sein. Sie gibt Sicherheit und lässt uns vieles ganz selbstverständlich aus dem Ärmel schütteln. Aber sie kann sich auch einschleichen. Und irgendwann merken wir vielleicht: Meine Routine ist noch da – aber wo ist eigentlich meine Neugier geblieben? Denn Begeisterung lässt sich nicht vorspielen. Kinder merken ziemlich schnell, mit welcher Energie wir ihnen begegnen. Und wenn unsere eigene Flamme kleiner wird, wird es schwierig, Funken weiterzugeben. Deshalb dürfen wir uns genauso um unsere eigene Inspiration kümmern wie um die der Kinder. Vielleicht heißt das:
selbst wieder mehr tanzen
neue Musik entdecken
eine Fortbildung machen
andere Künstler*innen erleben
mit Kolleg*innen gemeinsam unterrichten
sich Zeit für Austausch nehmen
und manchmal ganz einfach: Pause machen
Und vielleicht hilft es auch, sich von Zeit zu Zeit zu fragen: Warum habe ich diesen Beruf eigentlich einmal gewählt?
Wir wünschen uns, dass Kinder unsere Stunden mit leuchtenden Augen verlassen. Aber vielleicht beginnt dieses Leuchten tatsächlich bei uns selbst. Vielleicht ist das Älterwerden in der Tanzvermittlung also gar nicht die Frage, wie lange wir noch genauso weitermachen können wie früher. Sondern: Was möchte ich heute in den Tanzraum bringen?
Mit unserer Erfahrung. Mit unserem Körper – so wie er heute ist. Mit unserer Neugier. Und mit allem, was wir inzwischen wissen.
Das Feuer muss vielleicht nicht immer gleich groß lodern.
Vielleicht darf es sich auch verändern.
Aber es wäre schön, wenn es weiter brennt.
Und jetzt interessiert uns: Wie erlebt ihr das Älterwerden in der Tanzvermittlung? Was hat sich für euch verändert – körperlich, in eurer Arbeit oder in eurer Haltung? Und was hilft euch dabei, euer Feuer lebendig zu halten?
Tanzende Grüße, Euer Team von Tanzpunkt 2.0




Kommentare