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RÜCKBLICK#2


aus der Sicht von Petra Dietrich



Die Fachtagung Blickpunkt in Bremen ...

... hat mich bewegt, berührt, begeistert. Ich sah Kinder in lebhafter und stiller Bewegung, hörte Akademisches aus Wissenschaft und Forschung und Erlebtes der Tanzvermittlerinnen aus der Praxis. Ich habe die Veranstaltung zu Tanz in der frühkindlichen Bildung als Beobachterin begleitet und bin nun aufgefordert, über die Bedeutung von Tanz in der frühkindlichen Bildung zu schreiben. Hier ist, was mir bedeutsam erscheint – und worauf das, was ich sah und hörte, für mich hindeutet:



Wiese Busch Baum oder Sein-wie-ich-bin

Neugierige Augen, zurückhaltende Gesten, gespannte Haltung ... Kinder, mutig im Tanzraum mit uns Zuschauern, setzen sich in den Kreis. Sie nehmen Kontakt auf – zueinander, zur Tanzvermittlerin, zu sich selbst. Ich höre und beobachte:

Man kann der Gruppe eine Bewegung, eine Figur schenken! Die Kinder tun das, sind wach und fokussiert. Bilder geben einen freundlichen Rahmen, sich selbst auszuprobieren, Qualitäten zu be-greifen, Wiese, Busch und Baum und mit dem eigenen Körper nachzuempfinden. Dies geschieht teilweise still, durch Gesten und Anschauung bewirkt und mit und durch Musik. Wenige bezügliche Worte von Seiten der Tanzvermittlerin bestätigen immer mal die Verbindung innerhalb der Gruppe. Ich sehe Kinder sich bewegen, sich selbst wahrnehmend, mit dem Körper Ausdruck und Kommunikation herstellend, den eigenen Körper bewohnend in Besitz nehmen. Sie befinden sich in einer Situation, die den Rahmen bildet und Raum gibt, Eigenes, sich selbst, zu erproben, zu bilden, auszudrücken. Als Beobachterin nehme ich wahr: Jedes Tun und Lassen eines Kindes ist willkommen. Der Tanzraum ist offen, kleine Rückmeldungen sind respektvoll und gleichwürdig. Hier gibt es keine Korrektur. Das Kriterium ist nicht ‚machen‘, sondern ‚dasein‘. Ja, diese Art der Aktivität in der Gruppe ist förderlich, für mich ohne Zweifel. Förderlich auf dem Weg, zu wachsen – in die Welt hinein, in Beziehungsgefüge, in die Herausforderung, sich als ein Ich in der Welt wahrzunehmen und für sich zu stehen.



Beziehung und Präsenz brauchen Fachlichkeit

Empathie und Herzlichkeit sind gute Trägerstoffe für pädagogische Arbeit. Und - Fachkompetenz brauchts eine ganze Menge. Während der zwei Tage sehe ich interessierte Teilnehmende, viele Notizen werden geschrieben, es wird gefragt, hinterfragt und angeregt. Wie wichtig es ist zu wissen, was man selbst als TanzvermittlerIn bewirken möchte und was genau z.B. Musik in den kleinen Körpern und Köpfen bewirkt. Behutsamkeit ist gefragt, auch in der Nutzung der Sprache – der verbalen und der Körpersprache. Das Fachliche vermittelt sich durch Beziehung und Präsenz. Mir wird deutlich: TanzvermittlerInnen brauchen Fachwissen und Können in Tanz und in Pädagogik, mutige

Selbstreflexion und ein gerüttelt Maß an Selbstwissen – liebe TanzvermittlerInnen, auf dass Ihre Euch selbst beste Freundin, bester Freund seid und euch Raum für das eigene So-sein gebt.


Tanz kann man nicht denken


Natürlich ist es wichtig, dass Wissenschaft über Tanz nachdenkt und erforscht, was Tanz in der frühkindlichen Bildung bewirkt und bedeutet. Damit ist wissenschaftlich begründet, dass es wertvoll und förderlich ist, wenn im frühkindlichen Alter Tanz vermittelt wird: Soziale Integration, soziales Miteinander, Verhalten im Zusammenspiel, Phantasie und Ideenreichtum werden gefördert. Menschenbildung braucht das Kennenlernen des eigenen Körpers, das Erfahren des Körpergefühls und Sich-ausprobieren in koordinativen Herausforderungen. Die Referentinnen und Gäste aus Wissenschaft und Forschung – so schien es mir – sind dem Tanz nicht nur akademisch, sondern auch herzlich zugetan. Vielleicht liegt es daran, dass man Tanz nicht denken kann, nicht logisch verstehen. Es gehören immer Haut und Haare dazu, der ganze Mensch. Zeitgenössischer Tanz vermittelt sich nicht durch Vormachen – Nachmachen, das Ausführen vorgezeichneter Schritte und Figuren. Die Einladungen und Impulse, die Kinder im frühkindlichen Alter erhalten, laden zu ganzheitlicher Antwort ein – Du als Ganzes bist gemeint und Deine ureigene Antwort ist gewünscht. Und wenn Du grad keine Antwort hast, bist Du damit willkommen. Tanz kann man nicht denken. Tanz weckt die Sinne und den Körper, Bezüglichkeit, Lebendigkeit. Ob das eine Rolle spielt in der politisch-zögerlichen Platzierung des Tanzes in der Bildungslandschaft?



So leicht kann Vernetzen sein

Farben, Menschen, Begrüßungen, Begegnungen ... eine liebevoll und professionell organisierte Fachtagung, auf der ich mich willkommen fühle. Schöne Materialien – das Programmheft, die Gimmicks! Empathie und Herzlichkeit waren in jeder Situation während der Fachtagung dabei. So leicht kann Vernetzen sein, und das braucht es, denn auf dem Weg des Tanzes in die Bildungspläne der Bundesländer ist noch ein Stück zu gehen. Für diesen Weg braucht es Fachtage wie diesen, den das Kollektiv Tanzpunkt in Bremen liebevoll und professionell ausgerichtet hat. Wer richtet den nächsten aus?



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